Das Geheimrezept für einen reibungslosen Ablauf in der Kläranlage Wenns ist der große Erfahrungsschatz, auf den das vierköpfige Team zurückgreifen kann. Hinzu kommen vorausschauendes Arbeiten – vor allem mit ständigem Blick auf den Tourismus – sowie die kontinuierliche Kontrolle des Kanalnetzes. So wird jede Gemeinde mittels Abwasserzählungen genau überprüft und das Team kann feststellen, ob die Abwassermengen einer Gemeinde nachvollziehbar sind oder nicht. Starke Regenfälle oder die im Pitztal bis in den Juni anhaltende Schneeschmelze sind in der Abwasserzählung ebenso messbar.
Fließt von einer Gemeinde weniger Abwasser in Richtung Kläranlage kann das auf ein Problem im Kanal hindeuten. In solchen Fällen wird in einem ersten Schritt zum Telefonhörer gegriffen und eine mögliche Ursache mit der jeweiligen Gemeinde gesucht. Gibt es weiterhin keine Erklärung, wird der betroffene Bereich – der sich lokal sehr genau eingrenzen lässt – vor Ort überprüft. Liegt tatsächlich eine Verstopfung des Kanals vor, kommt etwa ein Spülwagen mit Hochdruckreiniger zum Einsatz.
Zudem werden jedes Jahr Sichtkontrollen durchgeführt. Im Zuge derer wird das Kanalnetz mit dem Auto abgefahren. Verstopfungen können so von außen erkannt werden. Um eine Innensicht auf die Kanalrohre zu bekommen, muss jeder Kanal in Österreich alle zehn Jahre auf seine Dichtheit überprüft werden. Dies geschieht via Kamerafahrt, die finanziell enorm kostspielig ist. Allerdings werden damit Probleme wie zum Beispiel Wurzeleinwüchse sichtbar.
Mit diesem umfassenden Einblick in die aufwändige Wasserver- und Abwasserentsorgung im Pitztal gilt es also den nächsten Cappuccino auf 3.440 m besonders zu genießen.